Nach Dnjepropetrovsk (jetzt
Dnipro)
Weil die Beschilderung (vor allem in den Städten) sehr schlecht und oft
inexistient ist, glaube ich, als ich mich in einer Stadt auf dem Hauptprospekt
befinde, Dnipro erreicht zu haben. Erst als ich einen Mann frage, wo es denn
zum Eiffelturm (oder so) gehe, klärt sich der Irrtum auf. Immerhin hat sich das
Verfahren gelohnt, denn ich finde den bisher schönsten Plattenbau:
Dnipro ist eine geschäftige
Stadt mit vielen modernen Gebäuden, aber auch mit genug Parkanlagen, Cafés und
Eisverkäufern. „Angenehm westlich“, würde der Ignorant sagen.
Das Highlight dieser Stadt
war jedoch Alexander. Ihn habe ich mir „ausgesucht“, um nach einer Strasse zu
fragen. Es ist wirklich mein Vorgehen: Wer hat den offenen Blick? Treffer! Er
ist zu meinem Erstaunen erst 19 Jahre alt, hat aber schon viel „Weisheit“.
Diese äussert sich erst mal darin, dass er fragt – Fragen stellen und nicht
Statements abgeben! Ich habe immer Mühe mit Menschen, die vor allem sagen, was
sie „wissen“ und „wie es ist“ (es sind meist Männer…). Savoir poser des
questions! Sonst hänge ich jeweils schnell ab – „aha, ein Wisser“! Schon
erlebt: Jemand „erklärt“ mir ein Land, in dem er noch nie gewesen ist (ich
mehrmals), ohne zu fragen, welche Eindrücke ich davon habe… Viele „Wissende“
sind Ignoranten.
Alexander ist ein echt
Wissender. Er fragt. Dann ist es auch interessant, wie er denkt und was er
sagt. Reisen bildet, so die Binsenwahrheit. Ja, man lernt, den offenen Blick zu
finden und die echte Kommunikation.
Ich fahre noch einige
Kilometer aus der Stadt hinaus (es sind viele, bis man wieder auf dem Land ist)
und finde auf der Schnellstrasse einen Platz bei einem Laden. Die Tante Emma
heisst hier natürlich Natasha. Sie ist gross und kräftig gebaut – und hat den
offenen Blick! Sie gibt mir den Schlüssel für die Toilette hinter dem Haus,
schreibt mir den Namen des kleinen Ortes auf einen Zettel und wünscht mir eine
gute Nacht.






