
Tiraspol – Hauptstadt von Transnistrien
Die letzte Etappe in der Ukraine. Wie gestern ist alles flach und dünn besiedelt. Trockene Getreide- Mais- und Sonnenblumenfelder. Die wenigen Orte liegen von der Hauptstrasse entfernt. Von weitem grüsst das Schwarze Meer. Die drei grossen Städte, die ich umfahre, sind Cherson (Mündung des Dnjepr), Mykolajiv und Odessa. Odessa wäre natürlich ein Besuch wert, da ich aber von Rumänien aus schon mal dort gewesen bin, lasse ich es aus.
Was mich mehr interessiert,
ist Transnistrien (russisch: Pridnjestrovja). Das Land, das sich in den 90-er
Jahren vom frisch entstandenen Moldawien abgespalten hat um weiter dem
zerronnenen Sowjet-Russland zu huldigen. Transnistrien wird von keinem Land als
Staat anerkannt, doch faktisch existiert es. Offiziell gehe ich also über die
moldawische Grenze. Kontrolliert werde ich aber von Pridnjest-Indianern. Anders
als ich gelesen habe, ist die Einreise kein Problem. Nichts von Drangsalieren
oder Geld abknöpfen. Im Gegenteil (und solche Überraschungen versüssen das
Reisen!): Man empfängt mich freundlich und ruft jemanden, der Englisch kann.
Die Frau im nächsten Büro erklärt mir ausführlich die Immigration-Card und
wofür genau ich jetzt 3 Euro zu bezahlen habe. Da ich aber länger im Land sein
möchte als die erlaubten 10 Stunden, schickt sie mich zurück zur Passkontrolle.
Wieder very nice, verständnisvoll und Englisch. Nur: Das System (überall und
immer – in der Schweiz…), „DAS SYSTEM“ will nicht! Das hat nun nichts mit
Transnistrien und nichts mit Staatsgewalt zu tun – das ist der Big Brother der
heutigen Zeit. Er hat mehr Macht als der Mensch, der ihn eigentlich als
Computer nur benützt. „Ich würde das gerne für Sie tun, aber das System lässt
es nicht zu, wissen Sie.“ Oder die weniger einfühlsame Variante der Ignoranten:
„Nein, ich sage Ihnen, das geht nicht!“ Ich bin schon verzweifelt an Schaltern
in der Schweiz.
Aber jetzt im „Schurkenstaat
Transnistrien“: Zu zweit versuchen die jungen Grenzpolizisten, dem Computer
eine längere Aufenthaltsbewilligung ohne Adresse im Land zu entlocken. Wohnort?
– Mein Tipp: Peugeot Expert 2012. Es funktioniert! Wir wünschen uns gegenseitig
nur das Beste und „Auf Wiedersehen“. Na dann, du Schurkenstaat, du bist
offensichtlich kein Gurkenstaat.
Was mir gleich auf den ersten
hundert Metern auffällt (ich war darauf vorbereitet), sind der Supermarkt und
die Tankstelle. Beide sind mit „Sheriff“ angeschrieben. Ich frage mich, ob das
sie besitzende Oligärchlein auch so sympathisch ist wie der Name.
Am Rand der Hauptstadt
Tiraspol staune ich nicht schlecht: Ich entdecke ein modernes Fussballstadion.
Das Stadion des FC Sheriff! Hineingehen und es mir anschauen dürfe ich nicht,
aber selbstverständlich ein paar Fotos von aussen machen…
Das Zentrum von Tiraspol
zeigt sich am Abend aufgeschlossen und auch etwas kitschig. Man promeniert mit
Kind und Kegel, wer es sich leisten kann, setzt sich in ein mondänes Café, und
man versammelt sich vor einem Springbrunnen, der abwechselnd in verschiedenen
Farben höher und niedriger das Glück Tiraspols in den Himmel spritzt. Dazu
scheppern aus einem Lautsprecher westliche Ohrwürmer. Der Zufall will es, dass
genau jetzt Freddy Mercury dran ist: „The show must go on!“
Neben einem weniger
herausgeputzten Platz hinter der Regenbogenwelt finde ich mein Hotel – den
Peugeot Expert.





