Diesmal Rumänien auslassend. Für die Rückreise aufsparend.
Über Bella Italias teure autostrada (super caffè in den Raststätten), SLO, HR, SRB, BG ins Land des R.T.E., nach Erdoganien. Vorurteile, also vorher erhärtete Urteile, motivieren mich nicht eben für dieses Land. Aber da muss man durch, muss man, wenn man nach Kaukasien will. Denn: Variante 1, nördlich des Schwarzen Meeres, ist nicht möglich wegen Mister W.P. und anderen Schergen. Variante 2, mit der Fähre übers Schwarze Meer, ist mit einem längeren Gefährt zu teuer. Die Überfahrt sei zwar ein gutes Erlebnis, wenn man mal bezahlt und einen halben Tag Einchecken mit den emsigen Schikanistas des Hafens von Odessa überstanden habe. Also eben Variante 3: Gegen 2000km TK von Edirne nach Hopa, bzw. Batumi.
Kilometer fressen, selber schuld.
Bei Kizilcahamam verbringe ich zwei Tage in einem
Picknick-Wald, der für 10`000 türkische Kampf-Pücknücker eingerichtet ist.
Überall stehen Grill-Geschütze.
Als kleine side-story: Was sich als Brennholz eignet, ist
grossflächig aufgebraucht. Drum kommen
jetzt die Baumstämme dran. No joke.
Also:
In einer Woche TK trifft man auf einige Leute. Wie viele von
ihnen können wenigstens 5 Worte in einer andern Sprache als der ihren? –
Keiner! Not one!
Zugegeben, mein Türkisch ist sehr begrenzt. Aber immerhin.
Plus klare Mimik und elementare Handzeichen sollte es zur Verständigung
reichen. Fehlanzeige. „Wir können/wollen nicht drauskommen, wenn etwas unsere
Alltäglichkeit leicht überschreitet…“
Aber wenn du einen – noch lieber zwei oder drei – Raki mit
uns trinkst, erklären wir dich auf der Stelle und für immer zum Bruder.
Unkompliziert gastfreundlich. Zeigefinger reiben und „kardes“ for ever. Und
Flagge als Geschenk obendrein. For ever.
„Fährst du nach Georgien?“ „Ja.“ „Ist gut und schön. Und
billig.“
Aber: „Fährst du nach Georgien?“ „Ja, und nach Armenien.“ „-
- - - - - - - - -.“ Nichts. Kein Wort.
Keine Regung. Blick ins Leere. Stecker gezogen, Sekundenstarre, nada.
Ich mach ein Spielchen draus und antworte jeweils direkt:
„Nein, nach Armenien.“ Und ich weiss, wie das Gesicht gleich dreinschauen
wird… 10 von 10 – Sure 99!
Es gibt auf der Welt Universitäten, die den Namen eines
verdienten Gelehrten oder Politikers haben. Aber haben sie den schon zu
Lebzeiten des so Geehrten erhalten? Ich weiss es nicht. Aber in Rize gibt es
die R.T.E…-Üniversität. Jetzt. Geschmückt mit ungezählten R.T.E.-Konterfeis.
Sein Verdienst, mutmasse ich: Er klärt die andern Länder über
Rechtsstaatlichkeit auf.
Dann an der Grenze. Grenzaustritt. Das übliche Chaos. Der
übliche Stress. Der übliche Leerlauf. Die übliche Arroganz. 10 von 10…
„Güle, güle“, steht an den Zollhäusern. „Güle, güle,
Nabelschauer!“
Mami, warum sind die so?...
Wohltuend entspannt die Ankunft auf der andern Seite. – Ich bin in Adscharien.
Ein erstes Schiffchen-Brot kaufen und die erste Abzweigung
nach Osten nehmen. „Achalziche“. Aber niemand fährt auf diesem Weg dorthin.
Weil man weiss, wie die Strasse bald mal aussehen wird. Die Hälfte der etwa
150km ist Schotter- und Löcherpiste.
Talaufwärts erreiche ich Khulo, die letzte Ortschaft. Hier ist auch der letzte Warenumschlagplatz:
Obst, Gemüse, Geräte, Sofas, Tabak. Und es gibt ein Tourist Office! Die
Test-Frage ist mir geblieben: „Do you speak English?“ Antwort: „Of course!“
Ab jetzt ist die Strasse sehr schlecht. 30km sei es bis auf
den Goderdzi-Pass. Auf über 2000 Meter hinauf. Vier Stunden müsse ich schon
rechnen mit dem Wohnwägeli. Und er hatte recht, der Tourist man.
Es hat sich jedoch gelohnt. Herrliche Berglandschaft
rundherum.
PS: Der sehr geneigte Leser hat`s entdeckt! Das Rolling
Sweet Home hat ein kleines Brüderchen erhalten. Ohne Dusche, ohne Gästezimmer,
ohne Fumoir. Tisch, Bett, Schrank, Kochherd, Kühlschrank und freestyle-WC. Und grosser
Gartensitzplatz. Alles wendig.