So lautet der moderne Begriff auf Englisch.
Und
„Anti-eitsching“ der hoffnungslose Gegenbegriff.
Wenn ich meine Photos der letzten Wochen durchsehe, stelle
ich fest, dass erstens die Ausbeute mager ist und zweitens alles Abgebildete
etwas mit Alt-Sein zu tun hat. Eingeschlossen der hinter der Linse Stehende:
Auch er ist mager (was zwar ein erfolgreiches Anti-Eitsching wäre). Sein Hunger
hat abgenommen. Hirschsprünge sind Hundespaziergängen gewichen. Beschauliches
Dasein an Stelle von Entdeckungsdrang. Seit sieben Wochen stehe ich am selben
Ort. Er ist wunderbar und es gibt keinen Grund zum Aufbruch. – Zu-Frieden-heit.
Altes und Alterndes bietet Kreta genug. Fast nur. Alte Natur
(schön), Zerfallendes-Verrottendes (meist nicht schön) und Zerfallenes (genannt
Kultur). Symbolische Bilder dafür gibt es genug. Wie zum Beispiel der in
archaischer Felslandschaft angekettete Hund auf dem Blechdach, über ihm der
aufgepflockte Memento-mori-Ziegenkopf. Und Autos, auf deren Motorhaube sich
kein schönbeiniges, kussmundiges Fräulein räkeln möchte. Die Autos sind hier
nicht sexy, sie dürfen Beulen und Falten haben. Es gibt keine pingelige
Jung-und-gesund-sein-Kontrolle wie in der Schweiz. Oder sie wird kretisch
umgangen.
Die Kirchlein und die Klöster! In rauen Mengen. Heiliger
Niklaus, Heiliger Georg - Aghio… hier und Aghio… dort. Gesponsertes Leben
als Mönch. Die herrlichsten und oft die
kühlsten Plätze, mit frischem Quellwasser. Und eben auch alt. Die Mönche zwar
nicht alle (das gesponserte Dolce-far-niente ist auch für Junge attraktiv – im
Klosterladen Wohlriechendes von Honig bis Kosmetika verkäuferlen und das Kerzenschmelzen
in den dunklen Gruften in Gang halten, im Gegenzug die Mönchskutte im Innenhof
spazieren führen und die zweifelhaft attraktiven
Wir-sind-auf-Urlaub-Aufmachungen der besuchenden Rentner und -Innen über sich
ergehen lassen).
Klöster sind Oasen. Was keine erschütternde Erkenntnis ist.
Aber wenn Oase, Fruchtbarkeit, Stille, Weihrauch, Abstinenz, Fülle, Heilige und
Geilige, Dämonen und Gecken, sich zu einer kleinen und heilen Welt
zusammenfinden, wird das Altern zeitlos. „No-eitsching“.
Was mich nicht oder anders fasziniert, ist das Altern meiner
eigenen Oase, meiner „rolling sweet oasis“. Es stehen mehr als
schönheitschirurgische Eingriffe an. Es sieht nach künstlichen Gelenken und
Organtransplantation aus. Aber noch funktioniert alles. „Slow-eitsching“, bei
fürsorglicher Behandlung. Mehr mit Eitelkeit zu tun hat der „refresh“, der
Wiederfrisch, des Zugpferdes. „Polish, how much?“ Ich kann ja immer noch nicht
Griechisch. Brot = psomi, Wein = krassi, Raki = raki. Älter werden = chronos
maki.


