Gigantisch…
Gigantisch sind nicht nur das Schriftbild und
die Aussprache des Namens dieser Stadt weiter Dnipro-abwärts.
Gigantisch müssen auch die Stromschnellen früher gewesen sein und daher ein Problem für
die Schifffahrt. Mister Stalin hat anfangs 1930-er Jahre die zündende Idee
gehabt, hier eine für die damalige Zeit gigantische Staumauer zu bauen. Der
auch gigantisch grosse Stausee produziert Strom und die Schifflein können
entspannter durchfahren. Man hat dann noch ein paar gigantische
Industrieanlagen hingestellt und das dafür geopferte Grün in Form von Pärken wieder
in die Stadt gebracht. Und alle lebten glücklich.
In Zaporizhzhia ist der Gegensatz zwischen Ehemaligem,
Morbidem und heutigem Neuem sehr sichtbar. Moderne Cafés am Haupt-Prospekt und
bröckelnde Hausfassaden um die Ecke. Irgendwie passt das aber zusammen und man
hat den Eindruck, das Leben „funktioniere“.
Immer wieder habe ich diesen Eindruck von „Es funktioniert
alles“. Positiv verstanden: Alles hat Qualität und Niveau, zwar kein
gigantisches, aber ein respektables. Und das wiederum muss mit der Haltung der
Menschen zu tun haben. Sie „funktionieren“ (im guten Sinn des Wortes): Man
spürt Struktur und Verantwortlichkeit, sei es in einem Laden oder Restaurant,
im Strassenleben oder im Verkehr. Kein Stress, keine Aggression, auch kein
Schlendrian. Es ist schon fast peinlich, wenn ich den „homo ucrainus“ derart
lobe. Aber es muss sein, weil er eben NICHT gigantisch, sondern einfach . . .
NORMAL ist. (Dieses Wort habe ich lange suchen müssen, und es ist das
treffendste.)











