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Sonntag, 15. September 2019

Tag 13 - 62km - nach ...










Gigantisch…



Gigantisch sind nicht nur das Schriftbild und die Aussprache des Namens dieser Stadt weiter Dnipro-abwärts.
Gigantisch müssen auch die Stromschnellen  früher gewesen sein und daher ein Problem für die Schifffahrt. Mister Stalin hat anfangs 1930-er Jahre die zündende Idee gehabt, hier eine für die damalige Zeit gigantische Staumauer zu bauen. Der auch gigantisch grosse Stausee produziert Strom und die Schifflein können entspannter durchfahren. Man hat dann noch ein paar gigantische Industrieanlagen hingestellt und das dafür geopferte Grün in Form von Pärken wieder in die Stadt gebracht. Und alle lebten glücklich.
In Zaporizhzhia ist der Gegensatz zwischen Ehemaligem, Morbidem und heutigem Neuem sehr sichtbar. Moderne Cafés am Haupt-Prospekt und bröckelnde Hausfassaden um die Ecke. Irgendwie passt das aber zusammen und man hat den Eindruck, das Leben „funktioniere“.
Immer wieder habe ich diesen Eindruck von „Es funktioniert alles“. Positiv verstanden: Alles hat Qualität und Niveau, zwar kein gigantisches, aber ein respektables. Und das wiederum muss mit der Haltung der Menschen zu tun haben. Sie „funktionieren“ (im guten Sinn des Wortes): Man spürt Struktur und Verantwortlichkeit, sei es in einem Laden oder Restaurant, im Strassenleben oder im Verkehr. Kein Stress, keine Aggression, auch kein Schlendrian. Es ist schon fast peinlich, wenn ich den „homo ucrainus“ derart lobe. Aber es muss sein, weil er eben NICHT gigantisch, sondern einfach . . . NORMAL ist. (Dieses Wort habe ich lange suchen müssen, und es ist das treffendste.)