Seiten

Sonntag, 15. September 2019

Tag 15 - 49km - nach ...










„Dobre den!“



Mit einem freundlichen „Dobre den“ winkt man mich am Checkpoint vor der Stadt durch. Die Stadt, die zu besuchen angeblich gefährlich sei. So heisst es mehr westlich. Weil sie vor der Frontlinie der Donbass-„Befreier“ liegt und hier auch eine Weile lang Kämpfe stattgefunden haben.
Ich hatte aber Informationen aus erster Hand – erhalten in der Schweiz in einem Einkaufszenter. Da traf ich kurz vor der Abreise Antares, einen jungen Mann aus Mariupol! Wir tauschten die Telephonnummern und „tschüss bis bald!“
Antares hat eine Möglichkeit gefunden um Geld zu verdienen. Er geht in die Schweiz und nach Deutschland, sucht dort kaputte Computer und Handys zusammen und repariert und verkauft diese hier in der Ukraine.
Er führt mich mit seinem schrottreifen Moskwitsch einen Tag durch Mariupol. Die Stadt gibt sich noch pointierter westlich als andere. Ferien in Mariupol!
Was an frühere Zeiten erinnert, ist die verschmutzte Umwelt als Folge der Schwerindustrie. Es scheint für die Einheimischen jedoch kein Problem zu sein, sich dem Strandleben des Asow`schen Meeres hinzugeben. Während ein Junge mit einem Netz kleine Shrimps aus dem Wasser schöpft, macht mich Antares auf die herangespülten schwarzen Steine aufmerksam. Es sind keine Steine, sondern verhärtete Industrieschlacke.
Dies alles zusammen – mit bestem Essen im Restaurant, mit bestem Cognac, mit geboxtoxten Models, mit getrockneten Aprikosen aus Usbekistan, mit relaxten Soldaten an bestimmten Punkten, mit den Rotkreuz-Fahrzeugen mit Genfern Nummern und mit schelmisch lächelnden Fleischverkäuferinnen, mit Bumm-Bumm-Nightlife am Meeresboulevard – ergibt eine besondere Art von Exotik.
Danke, Antares! Wir sehen uns in der Schweiz im Schrott-Einkaufszentrum!