Mich sehen die wohl nie wieder.
Fertig „Hoşgeldiniz“ (das überall zu hörende und
lesende traditionelle „Willkommen“).
Natürlich sind da die
faszinierenden Landschaften (der Abschnitt entlang der Schwarzmeerküste gehört
da aber definitiv nicht dazu), Orte und Restaurants an der Strasse (im
Landesinnern), die zum Verweilen einladen und die vielgelobte (mitunter etwas
stumpf und oberflächlich wirkende) Gastfreundschaft.
Auf mich wirkt dieses Land aber inzwischen mehr abweisend.
Es zelebriert die eigene Nabelschau, ohne sich fürs Rundherum zu interessieren.
„Türkiye, Türkiye…“ Dazu kommt so etwas wie ein Trotz der restlichen Welt
gegenüber. Der oberste Herr, Mister T.R.E., steht dafür. No politics an dieser
Stelle (ich mag nicht), aber nur soviel: Wer sehen möchte, wie in einem Land,
in seinem Alltag, unter den Menschen sich ausbreitend, eine Diktatur entsteht,
Schritt für Schritt, der erhält hier Anschauungsunterricht.
Es tut weh, anzusehen, wie sich die Menschen verbiegen
müssen. Entweder, weil sie die Vorgänge gut finden und sich einäugig dazu
äussern, oder weil sie sie nicht gut finden und verlegen dazu schweigen.
Ich habe es immer wieder erlebt am Beispiel des
unterdrückten Internet-Zugangs. Auf der Hinreise Anfang Juni habe ich den
Zugangs-Code jeweils noch erhalten. Knapp zwei Monate später kriege ich immer
die gleiche, stereotype Antwort: „Internet yok.“ Ohne weitere Erklärung. Mal in
bedauerndem, mal in gleichgültigem, mal in abweisendem Ton. Bald ist mir klar,
dass es sich nicht um technische Probleme handelt, sehe ich doch immer
Anschlüsse mit guter Qualität. Ich beginne nachzufragen. Natürlich gibt es
keine Antwort darauf, nur wiederholtes „Internet yok“. Mal mit mehr
Verlegenheit, mal mit mehr Abweisung. Glaubte ich mit meinen minimalen
Türkisch-Kenntnissen zuerst noch, „yok“ heisse nein, belehrt mich das
Wörterbuch aber: „Yok: nicht vorhanden“. Also: Man muss lügen. Und dies
mitzuerleben, in den einzelnen Gesichtern, beim schnoddrigen Typen und bei den
kichernden jungen Girls, sage ich, tut weh.
Ich möchte es wissen, obwohl ich es weiss – ich möchte es
hören. Ich frage einen jungen Mann, der nach Sensibilität, Denken und
Englischkenntnissen aussieht. Alles trifft zu. Auch meine Vermutung bezüglich
Internet: Die Patrons müssen dem Personal verbieten, die Codes herauszugeben. –
Erdi macht seinen Job.
Wie politisch das motiviert war, was der ganzen Rückfahrt
vorausging, sei dahingestellt. Vielleicht hat es einen Zusammenhang mit dem
armenischen Stempel in meinem Pass. Jedenfalls bin ich beim Grenzübertritt (aus
Georgien kommend) nach allen türkischen Regeln vorgeführt worden. Ich verzichte
auf eine nachträgliche Beschreibung dieser fünf nächtlichen Stunden. Mir
zuliebe. Was ich da an Unfreundlichkeit, Arroganz, Schnoddrigkeit und Hinhalten
(ja, das Hingehalten-Werden ist das Schlimmste, ohne Erklärung Was und Wo und
Wann) erlebt habe, ist unglaublich. Punkt.
„Hoşgeldiniz!“