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Sonntag, 23. Juli 2017

Türkiye yok!








Mich sehen die wohl nie wieder.




Fertig „Hoşgeldiniz“ (das überall zu hörende und lesende traditionelle „Willkommen“).
Natürlich sind da die faszinierenden Landschaften (der Abschnitt entlang der Schwarzmeerküste gehört da aber definitiv nicht dazu), Orte und Restaurants an der Strasse (im Landesinnern), die zum Verweilen einladen und die vielgelobte (mitunter etwas stumpf und oberflächlich wirkende) Gastfreundschaft.
Auf mich wirkt dieses Land aber inzwischen mehr abweisend. Es zelebriert die eigene Nabelschau, ohne sich fürs Rundherum zu interessieren. „Türkiye, Türkiye…“ Dazu kommt so etwas wie ein Trotz der restlichen Welt gegenüber. Der oberste Herr, Mister T.R.E., steht dafür. No politics an dieser Stelle (ich mag nicht), aber nur soviel: Wer sehen möchte, wie in einem Land, in seinem Alltag, unter den Menschen sich ausbreitend, eine Diktatur entsteht, Schritt für Schritt, der erhält hier Anschauungsunterricht.
Es tut weh, anzusehen, wie sich die Menschen verbiegen müssen. Entweder, weil sie die Vorgänge gut finden und sich einäugig dazu äussern, oder weil sie sie nicht gut finden und verlegen dazu schweigen.
Ich habe es immer wieder erlebt am Beispiel des unterdrückten Internet-Zugangs. Auf der Hinreise Anfang Juni habe ich den Zugangs-Code jeweils noch erhalten. Knapp zwei Monate später kriege ich immer die gleiche, stereotype Antwort: „Internet yok.“ Ohne weitere Erklärung. Mal in bedauerndem, mal in gleichgültigem, mal in abweisendem Ton. Bald ist mir klar, dass es sich nicht um technische Probleme handelt, sehe ich doch immer Anschlüsse mit guter Qualität. Ich beginne nachzufragen. Natürlich gibt es keine Antwort darauf, nur wiederholtes „Internet yok“. Mal mit mehr Verlegenheit, mal mit mehr Abweisung. Glaubte ich mit meinen minimalen Türkisch-Kenntnissen zuerst noch, „yok“ heisse nein, belehrt mich das Wörterbuch aber: „Yok: nicht vorhanden“. Also: Man muss lügen. Und dies mitzuerleben, in den einzelnen Gesichtern, beim schnoddrigen Typen und bei den kichernden jungen Girls, sage ich, tut weh.
Ich möchte es wissen, obwohl ich es weiss – ich möchte es hören. Ich frage einen jungen Mann, der nach Sensibilität, Denken und Englischkenntnissen aussieht. Alles trifft zu. Auch meine Vermutung bezüglich Internet: Die Patrons müssen dem Personal verbieten, die Codes herauszugeben. – Erdi macht seinen Job.
Wie politisch das motiviert war, was der ganzen Rückfahrt vorausging, sei dahingestellt. Vielleicht hat es einen Zusammenhang mit dem armenischen Stempel in meinem Pass. Jedenfalls bin ich beim Grenzübertritt (aus Georgien kommend) nach allen türkischen Regeln vorgeführt worden. Ich verzichte auf eine nachträgliche Beschreibung dieser fünf nächtlichen Stunden. Mir zuliebe. Was ich da an Unfreundlichkeit, Arroganz, Schnoddrigkeit und Hinhalten (ja, das Hingehalten-Werden ist das Schlimmste, ohne Erklärung Was und Wo und Wann) erlebt habe, ist unglaublich. Punkt.
„Hoşgeldiniz!“