„Nordic-walking“, „bird-watching“, “donkey-riding” usw. Oder eben: „bible-driving“!
Das
bedeutet: durch archaische Landschaften fahren, auf kleinen Nebenstrassen, auf
steinigen Naturstrassen, mit dem Velo oder, mutiger und weiter, mit dem
4x4-Jeep. Schafe, Ziegen, Felsen, karger Boden, kleine Äcker, kleine
Hochebenen, alte Toyota-Pickups, gutgelaunte Schmetterlinge, unbeschäftigte
Wachhunde, tief eingefressene Schluchten, mal eine Meeresbucht und überall und
immer – Olivenbäume. Dies Ende November bei einer biblischen Temperatur von
25°.
„Bible-driving“ bedeutet aber auch: Da und dort auf einer
erhöhten Stelle auf ein Kirchlein oder an einer geschützten Stelle auf ein
Kloster treffen. Auf das Leben IHM zu Diensten. Ihm, dem dem Zeus nachgefolgten
Boss der Bosse. Und es offenbart sich eine höhere Form der Zivilisation, in der
man nicht mehr als Tier oder Untier sein Wesen treibt, seinesgleichen roh
verschlingt oder an einem Felsen mit Haut und Innereien den Geiern zum Frass
überlässt.
Im Klosterhof herrscht Beschaulichkeit, Ruhe,
Dolce-far-niente. Nur wenn ein potentieller Kunde auftaucht, bemühen sich die
Mönchlein behende in ihren Souvenir-Shop, wo es auch viele nur gesunde und nur
biologische „local products“ zu kaufen gibt: Honig, Salben, Kräuter, Öle,
Gewürzbrote, Heilmittel. Wirksam gegen alle möglichen Gebrestlein. Jeden Morgen
ein Löffelchen genüge, versichert einer, während ein anderer mit den Äuglein zwinkert
und meint, ein grosser Löffel wäre besser (fürs Geschäft). Hergestellt sind die Sachen nicht von ihnen,
sondern von „local“ Frauen, und hingebracht werden sie vom „local“ Lieferwagen,
wie ich beobachten konnte. Wirtschaftlich stimmt`s: Die Locals können ihre
Waren an einem Ort verkaufen, wo der Kunde im Bann der Demut einen guten Preis
zahlt, und die Mönchlein ziehen ihren biblischen Profit daraus, durch welchen
sie IHM zum Beweis und uns als Vorbild ein Leben in Bescheidenheit und Frieden
führen können. „Win-win-win-win“, wenn ich richtig zähle.
Eben: Das Christentum ist effizienter als alles
Vorhergegangene. Das wird einem auch im angegliederten dunklen Gemälderaum vor
Augen geführt. Das Dargestellte lässt sich in zwei Kategorien einteilen: Zur
einen gehören die Gemälde der sanften, verklärten, zahnlosen Heiligen,
Halbheiligen und Huldigern, zur andern die (für sie, für IHN, für uns) ruchlos
Mordenden. Männer mit Pistolen, Gewehren, Säbeln und Dolchen. Mehr High-Tech. Im
Gemälde meistens caught in the act. Garniert mit dem Weihrauch des Pulvers und
dem Rot des Blutes.
Da würde Zeus hüpfen und tanzen, wenn so ein christliches
Schiesseisen auf seine Stierenklauen ballern würde.
Nichts ist gelogen – RSH liefert die Bilder:
Teil 1 – die Landschaft
Teil 2 – die Helden