Es sind alle Sykologen, die hier leben. Ausnahmslos.
Was für eine schöne Frage, die mich immer wieder
beschäftigt: Warum sind die Menschen hier so, wie sie sind? Warum hat immer
noch nie einer etwas dagegen gehabt, dass ich mein Zuhause hier oder da
hinstelle? Warum kommen Fremde vorbei, um Tomaten, Gurken, Zwiebeln,
Auberginen, Paprikas, Orangen, Mandarinen oder sogar Süssgebäck zu bringen? Geben`s, strahlen und
verschwinden wieder. Warum sind sie alle immer freundlich. Nicht aufgesetzt,
ohne Absicht dahinter. Einfach freund-lich.
Warum frage ich „warum“? Sicher auch, weil ich so etwas
nicht gewohnt bin. Wahrscheinlich auch, weil ich mir die Frage andersrum
gewohnt bin: Warum ist der oder dieser so angespannt oder abweisend? Nun, ich
bin daran, mich umzugewöhnen. Die Warum-Frage sein lassen und es so nehmen, wie
es ist. Empfinden und beschreiben sei aber weiterhin erlaubt.
„Die Sykologen“ – ein alter Begriff, der natürlich seine
Wurzel in „Psycho“ hat, der jedoch die Seele ganzheitlicher meint. Ein Sykologe
ist nicht nur Psychologe, sondern auch Philosoph, Humanist, Künstler und
Theologe. Dies alles auf der elementarsten Ebene – ein Gutseelenmensch. Nicht
etwa als Unterscheidung vom Schlechten gemeint, sondern der Gutseelenmensch auf
der Gutseelenwelt. Er ist, wie er ist, und es ist, wie es ist.
Seine Netze sind immer bereit, sei es zum Einfangen der
Gedanken oder zum Auffangen der Oliven.
Es versteht sich, dass der Sykologe ein bescheidenes Leben
führt und eng mit der Natur verbunden ist. Sein Luxus, oder weniger modern gesagt, seine
Völlerei ist das Leben an sich.
Michalis, der mit seinem Lastwägelchen mehrmals einen Stopp
machte, um Gemüse zu schenken (Hilfe, schon wieder 2kg Tomaten!) ist einer der
Wenigen, die sich in ihrem Tun auf den da oben beziehen. Er wollte den Dank
nicht für sich annehmen, sondern zeigte zum Himmel und sagte: „Kyrios,
Kyrios!“.
Mina betreibt mit ihrem Mann in der Saison ein kleines
Hotel. (Schon wieder 4kg Orangen und Mandarinen!) Ob ich Internet brauche. Ich
könne ruhig ins offene und leere Hotel gehen dafür.
Sophokles (nomen est omen) hat fast nichts. Immerhin holt er
einen Kohl aus dem Garten und sagt augenzwinkernd und lachend, er schenke den
Leuten eben mal ein Gespräch, und dieses sei gratis. Er lebt in einem kleinen
Bergdorf mit herrlicher Aussicht aufs Meer hinunter und wohnt mehr als
bescheiden in seinem alten Häuschen. Sein Ding ist die Schriftstellerei. Mit
dem Haushalten und Putzen hat er es weniger. Immerhin steht er gerade barfuss
in einem Zuber, als ich komme, und stampft im Bergwasser seine Hose und
Winterjacke sauber. Sein Schreibheft scheint mir immer noch dasselbe zu sein
wie bei meinem Besuch vor zwei Jahren (siehe Blog 2016). Es liegt auf seinem
Bett, wo die Gedanken am rundesten kreisen.
Auch im Dorf von Sophokles treffe ich drei alte Frauen, die
das zu tun scheinen, was alte Frauen eben tun müssen: im Halbschatten auf einem
Bänklein sitzen. Wenn ich sie aber richtig verstanden habe, machen sie nur eine
Pause und bilden in Wahrheit eine Denk- und Kunstgemeinschaft. Das dort sei ihr
Atelier und Think-tank, und zwei realisierte Land-art-Projekte befänden sich
eingangs Dorf, bzw. auf jenem Hügel.
Der Eingang des Ateliers:
Land-art: „Golden recycling“
Land-art: „Winter coat“
Eine andere Art von „art“, von Land-art, ist ebenfalls
häufig zu finden. Ein Ausdruck von „art“, die wohl ohne Think-tank auskommt.
Nennen wir sie „Plastic-art“. Ist aber auch nicht ohne. Man beachte beim
folgenden Beispiel die Kombination von Transparenz und Reflexion, die mit den
Mitteln Licht und Plastic erreicht worden ist:
Die nächsten Beispiele kombinieren Plastic mit Elektrizität.
Im einen wird die Figur mittels Elektroluftpumpe in der aufrechten Position
gehalten (fast), im andern werden dem Schaf und dem Kleinkind durch elektrische
Kabelanschlüsse künstlich hergestelltes Licht zugeführt. Beide Werke seien nur
temporär zu besichtigen, es handle sich um einen Austausch mit fernöstlichen
Kunstschaffenden.
Bevor ich im nächsten Kapitel auf einen weiteren Aspekt des
Plastic-Segens eingehe, nochmals zurück zur Natur. Schluchtwandern. Mit dem
Koch. Kurz vor seinem Abflug. (Lieber René, danke für alles, nicht nur fürs
Kochen!)