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Samstag, 23. Dezember 2017

Die Berghänge um Sykologos












Es sind alle Sykologen, die hier leben. Ausnahmslos.







Was für eine schöne Frage, die mich immer wieder beschäftigt: Warum sind die Menschen hier so, wie sie sind? Warum hat immer noch nie einer etwas dagegen gehabt, dass ich mein Zuhause hier oder da hinstelle? Warum kommen Fremde vorbei, um Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Auberginen, Paprikas, Orangen, Mandarinen oder sogar Süssgebäck  zu bringen? Geben`s, strahlen und verschwinden wieder. Warum sind sie alle immer freundlich. Nicht aufgesetzt, ohne Absicht dahinter. Einfach freund-lich.
Warum frage ich „warum“? Sicher auch, weil ich so etwas nicht gewohnt bin. Wahrscheinlich auch, weil ich mir die Frage andersrum gewohnt bin: Warum ist der oder dieser so angespannt oder abweisend? Nun, ich bin daran, mich umzugewöhnen. Die Warum-Frage sein lassen und es so nehmen, wie es ist. Empfinden und beschreiben sei aber weiterhin erlaubt.
„Die Sykologen“ – ein alter Begriff, der natürlich seine Wurzel in „Psycho“ hat, der jedoch die Seele ganzheitlicher meint. Ein Sykologe ist nicht nur Psychologe, sondern auch Philosoph, Humanist, Künstler und Theologe. Dies alles auf der elementarsten Ebene – ein Gutseelenmensch. Nicht etwa als Unterscheidung vom Schlechten gemeint, sondern der Gutseelenmensch auf der Gutseelenwelt. Er ist, wie er ist, und es ist, wie es ist.
Seine Netze sind immer bereit, sei es zum Einfangen der Gedanken oder zum Auffangen der Oliven.


Es versteht sich, dass der Sykologe ein bescheidenes Leben führt und eng mit der Natur verbunden ist.  Sein Luxus, oder weniger modern gesagt, seine Völlerei ist das Leben an sich.
Michalis, der mit seinem Lastwägelchen mehrmals einen Stopp machte, um Gemüse zu schenken (Hilfe, schon wieder 2kg Tomaten!) ist einer der Wenigen, die sich in ihrem Tun auf den da oben beziehen. Er wollte den Dank nicht für sich annehmen, sondern zeigte zum Himmel und sagte: „Kyrios, Kyrios!“.
Mina betreibt mit ihrem Mann in der Saison ein kleines Hotel. (Schon wieder 4kg Orangen und Mandarinen!) Ob ich Internet brauche. Ich könne ruhig ins offene und leere Hotel gehen dafür.
Sophokles (nomen est omen) hat fast nichts. Immerhin holt er einen Kohl aus dem Garten und sagt augenzwinkernd und lachend, er schenke den Leuten eben mal ein Gespräch, und dieses sei gratis. Er lebt in einem kleinen Bergdorf mit herrlicher Aussicht aufs Meer hinunter und wohnt mehr als bescheiden in seinem alten Häuschen. Sein Ding ist die Schriftstellerei. Mit dem Haushalten und Putzen hat er es weniger. Immerhin steht er gerade barfuss in einem Zuber, als ich komme, und stampft im Bergwasser seine Hose und Winterjacke sauber. Sein Schreibheft scheint mir immer noch dasselbe zu sein wie bei meinem Besuch vor zwei Jahren (siehe Blog 2016). Es liegt auf seinem Bett, wo die Gedanken am rundesten kreisen.








Auch im Dorf von Sophokles treffe ich drei alte Frauen, die das zu tun scheinen, was alte Frauen eben tun müssen: im Halbschatten auf einem Bänklein sitzen. Wenn ich sie aber richtig verstanden habe, machen sie nur eine Pause und bilden in Wahrheit eine Denk- und Kunstgemeinschaft. Das dort sei ihr Atelier und Think-tank, und zwei realisierte Land-art-Projekte befänden sich eingangs Dorf, bzw. auf jenem Hügel.
Der Eingang des Ateliers:



Land-art: „Golden recycling“


Land-art: „Winter coat“


Eine andere Art von „art“, von Land-art, ist ebenfalls häufig zu finden. Ein Ausdruck von „art“, die wohl ohne Think-tank auskommt. Nennen wir sie „Plastic-art“. Ist aber auch nicht ohne. Man beachte beim folgenden Beispiel die Kombination von Transparenz und Reflexion, die mit den Mitteln Licht und Plastic erreicht worden ist:


Die nächsten Beispiele kombinieren Plastic mit Elektrizität. Im einen wird die Figur mittels Elektroluftpumpe in der aufrechten Position gehalten (fast), im andern werden dem Schaf und dem Kleinkind durch elektrische Kabelanschlüsse künstlich hergestelltes Licht zugeführt. Beide Werke seien nur temporär zu besichtigen, es handle sich um einen Austausch mit fernöstlichen Kunstschaffenden.




Bevor ich im nächsten Kapitel auf einen weiteren Aspekt des Plastic-Segens eingehe, nochmals zurück zur Natur. Schluchtwandern. Mit dem Koch. Kurz vor seinem Abflug. (Lieber René, danke für alles, nicht nur fürs Kochen!)