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Freitag, 26. Januar 2018

Grameno Beach










An Stränden wird gestrandet.


Nur hat es in dieser Jahreszeit niemand mehr, der dies tut. All die vielen, zum Teil kleinen und wilden Strände sind verlassen. Sie gehören jetzt den Ü50-Überwinterern, die mit oder ohne Partner und mit oder ohne Hund ihre gesunden Spaziergänge machen. Oder Ziegen tauchen auf und bereiten den Strandboden für die nächsten „2-Wochen-Kreta-für598Fr.-alles-inklusive“-Touristen vor. Nur der Wind unterbricht an gewissen Tagen die Ruhe, wenn er an einer Strandbaracke am Plastikverschlag rüttelt und durch die Abfallsäcke der letzten Sundreamers und Suncreamers fährt.
 





Mein jetziger Wohnort ist ein ebensolcher Strand. Auf einem holprigen Natursträsschen von Paleochora aus erreichbar. Mit dem Auto in 10 Minuten. Mit dem Velo in 20 Minuten. Zu Fuss im Wandertempo 45 Minuten. Rennen ist verboten!


Nebst den Ziegen und Rentnern gibt es an den Stränden noch die wirklich Gestrandeten. Die da leben. Die sich nachts an einer geschützten Stelle dem Halbschlaf ergeben und tagsüber nach verwertbaren Überresten der Profiteure von „2-Wochen-Kreta-für598Fr.-Flug-und-alles-inklusive“ suchen. Mit geringem Erfolg, wie man ihren Rippen ablesen kann. Gemeint sind die Strandhunde.
Ja, es musste sein. Am Grameno-Beach. Habe ich mir einen angelacht. Oder er hat mich angelacht. Wir uns beide. Wie im richtigen Leben. Er ist er. Das habe ich als bisheriger Hunde-Ignorant doch schnell herausgefunden. Er hat weisse, gesunde Zähne. Also ist er jung. Er beisst nicht. Was mir wichtig ist als Beziehungsgrundlage. Er reagiert auf Futter. Also ist er hoch intelligent. Er ist sehr anhänglich. Also hat er kein Problem, Gefühle zu zeigen. Nichts von „Zu viel Nähe ist nicht gut für mich“ und „Ich brauche viel Freiheit, sonst fühle ich mich eingeengt“. Die Eier hat er noch. Also möchte er einmal eine Familie gründen. Dafür bin ich selber noch nicht reif. Wahrscheinlich müssen wir mal reden… Aber vorläufig geniessen wir das Neue. Wir machen lange Strandspaziergänge (schon früh in den noch dunklen Morgen hinein), wir sagen „Gute Nacht“, bevor wir schlafen gehen, tagsüber üben wir Sitzen und Scheissen und keine Angst zu haben. In einer Art Geben und Nehmen. Während das Sitzen eher meine Stärke ist, macht er mir vor, wie einfach das Herumliegen ist. Was das Einkaufen und Zubereiten der Mahlzeiten betrifft, sind die Rollen des Gebens und Nehmens vorläufig klar. Ist aber kein Thema, wenn man frisch zueinander gefunden hat. Vielleicht müssen wir später auch darüber mal reden. Über die Rollenverteilung. Ein wichtiges Thema in jeder Beziehung. Wer räumt auf? Wer giesst die Pflanzen? Wer entwurmt wen? – Später.



Grameno heisst er.