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Samstag, 10. Februar 2018

Hundeleben










Schreiben ist schön. Hündelen ist schöner.


Könnte man meinen.
Schreiben tät ich schon noch wollen. Und ich käme auch dazu. Oft strolcht ja das Tierchen um die immer gleichen Bäume und Büsche herum oder legt sich abends seelenwohlig unter den Tisch auf meine Füsse.  Aber die Erlebnisse fehlen. Bis vor zwei Wochen bin ich noch selber um die Bäume und Büsche gerannt und habe dabei zum Beispiel den Baum von Zeussens Happy Ending gefunden oder die Buschbewachsung auf Sophokles` Herd. Oder ich habe mich der Göttin der Langen Weile hingegeben und bin zur Strafe lebendigen Leibes mit Auberginen zugeschüttet worden. (Fressen eigentlich Hunde Auberginen? Klammer geschlossen. Auch Fahrradtouren mache ich keine mehr, seit er an mein Velo gepisst hat.
Und jetzt das Leben ohne Erleben. Sesshaft zwischen den Hundebäumen. Mich herumschlagend mit Füttern und richtigem Scheissen, mit „Komm“ und „Sitz“ und „Bleib“, mit Laufen aber nicht den Ziegen nach, mit Würmern und Läusen, mit Impfen und Kasturbieren, mit Chippen und nicht Ausflippen, alles mit dem Ziel Hundepass. Und letzte Nacht eine Stunde auf der Türschwelle sitzen, weil dem Hundi das Donnergrollen zusetzte.


Aber wo bleiben die menschenwürdigen Erlebnisse? Am Morgen früh, während der Dämmerung, einen Österreicher grüssen, der sein stumpiges Hündchen in der entgegengesetzten Richtung Gassi oder eben Küsti führt, ist das menschenwürdig? Und dann ein zweites Mal grüssen, als jeder aus der je anderen Richtung kommt. Jeh! Oder sie, eine andere Österreicherin, mit ihr rede ich manchmal. Kurz und gezielt. Über Hundeleinen und Kauknochen. Sie führt nämlich ein Pet-Shop-Lädeli im Kaff. Zur Begrüssung nicht etwa „Wie geht es dir?“, sondern „Wie geht es ihm?“. Oder der Engländer, der mir ein Halsband (Hundehalsband, sorry) mit integriertem Elektroschockgerät empfiehlt, das ich mittels Fernbedienung zünden und bei sich einstellendem Erfolg locker zwei Stufen zurückstellen könne. Ob das die Pet-Österreicherin im Sortiment hat? Und ob es, auf Stufe 1 und „permanent“ gestellt, auch am Meister wirkt, mit einem wohligen Rieseln vom Hals her abwärts?
Einmal gönnte ich es mir, in den Ausgang zu gehen. Schönste Hose anziehen, beste Jacke montieren, Schuhe geputzt, Deo unter die Achseln, Hund an langem Seil an einen Baum binden, „Tschüss und brav warten“. Und was ist das erste, was ich downtown bemerke? Dass ich in der Jackentasche Hundebiscuits mitführe. Gegen deren strengen Geruch ist jedes Deodorant machtlos. Wenigstens habe ich das Glück, eine Taverne zu finden, in der nur Griechen sitzen und sich zur Feier des Fastenbeginns prall gefüllte karnivore Platten auftragen lassen. Dazu spielen drei Typen, zwar etwas andächtig auf den Stühlen sitzend, kretische Musik. Mit Leier und Laute, mit Suzuki und Buzuki. Beim Gesang, wenn man den Inhalt nicht versteht, kann es sich um ein Lamentieren über eine verlorene Liebe oder um den Aufruf zum Widerstand handeln.


Ausser den Pets gibt`s die Pats, die Ex-Pats genauer. Permanente und auch halbpermanente. Man unterscheidet zwischen Männern allein, Frauen allein und Gepaarten. Die Gepaarten sind nett, die Männer sind Alkoholphilosophen und/oder zeigen, was sie drauf haben, und die Frauen sind persönlich und offen. Interessant, isn`t it? Ausnahmen der Regel sind erlaubt, aber meine Statistik spricht eine klare Sprache. Ich nix Womanizer, nix Frauen-Enteiser, einfach die Statistik. Was fange ich an mit dem netten Pärchen (er älter, ehemaliger Direktor, sie ziemlich sehr jünger), das sich an Kreta und an ihrer teuren Protzhütte erfreut und sagt, sie möchten hier „den Griechen“ kennenlernen? Was mit dem 2x-im-Tag-Jogger, der erklärt, wie easy er von hier aus am Compi sein Geschäft betreiben könne? Was mit dem Franzosen, der fragt, ob er mir eine persönliche Frage stellen könne, und heraus kommt ein unverständliches Raki-Lallen? (Zur Belohnung kriege ich ein Shake-hands, obwohl ich nur geantwortet habe, dass ich ihn besser verstehe, wenn er nicht Englisch spreche.) Was mit dem Deutschen, nach dessen kurzer und prägnanter Schilderung seine Ex jetzt alles Geld und er nur noch den kleinen Camper habe, dazu ein verbittertes „Jetzt habe ich meine Freiheit“, Punkt? (Ja, Männer-Enteiser, das wäre eine Mission.)
Die paar Frauen, die ich bisher getroffen habe (fast alle aus CHanien), sind anders. Sie erzählen wirklich etwas, auch weniger Schönes, auch Selbstkritisches, weder Lamentieren, noch Gschpürsch-mi, und ihre Fragen sind nicht aufgeblasene Raki-Luft. Menschenwürdig.
Anmerkung des Autors: Die obgenannten Feststellungen entsprechen den gemachten Erfahrungen der letzten paar Wochen. Ich möchte dabei keine dumme Gans versehentlich mitloben und auch keinem gutartigen Gänserich die Federn rupfen. Ich bin auch nur ein Hund. Und jetzt mussi Gassi gehen.