Schreiben ist schön. Hündelen ist schöner.
Könnte man
meinen.
Schreiben tät ich schon noch wollen. Und ich käme auch dazu.
Oft strolcht ja das Tierchen um die immer gleichen Bäume und Büsche herum oder
legt sich abends seelenwohlig unter den Tisch auf meine Füsse. Aber die Erlebnisse fehlen. Bis vor zwei
Wochen bin ich noch selber um die Bäume und Büsche gerannt und habe dabei zum
Beispiel den Baum von Zeussens Happy Ending gefunden oder die Buschbewachsung
auf Sophokles` Herd. Oder ich habe mich der Göttin der Langen Weile hingegeben
und bin zur Strafe lebendigen Leibes mit Auberginen zugeschüttet worden.
(Fressen eigentlich Hunde Auberginen? Klammer geschlossen. Auch Fahrradtouren
mache ich keine mehr, seit er an mein Velo gepisst hat.
Und jetzt das Leben ohne Erleben. Sesshaft zwischen den
Hundebäumen. Mich herumschlagend mit Füttern und richtigem Scheissen, mit
„Komm“ und „Sitz“ und „Bleib“, mit Laufen aber nicht den Ziegen nach, mit
Würmern und Läusen, mit Impfen und Kasturbieren, mit Chippen und nicht
Ausflippen, alles mit dem Ziel Hundepass. Und letzte Nacht eine Stunde auf der
Türschwelle sitzen, weil dem Hundi das Donnergrollen zusetzte.
Aber wo bleiben die menschenwürdigen Erlebnisse? Am Morgen
früh, während der Dämmerung, einen Österreicher grüssen, der sein stumpiges
Hündchen in der entgegengesetzten Richtung Gassi oder eben Küsti führt, ist das
menschenwürdig? Und dann ein zweites Mal grüssen, als jeder aus der je anderen
Richtung kommt. Jeh! Oder sie, eine andere Österreicherin, mit ihr rede ich
manchmal. Kurz und gezielt. Über Hundeleinen und Kauknochen. Sie führt nämlich
ein Pet-Shop-Lädeli im Kaff. Zur Begrüssung nicht etwa „Wie geht es dir?“,
sondern „Wie geht es ihm?“. Oder der Engländer, der mir ein Halsband
(Hundehalsband, sorry) mit integriertem Elektroschockgerät empfiehlt, das ich
mittels Fernbedienung zünden und bei sich einstellendem Erfolg locker zwei
Stufen zurückstellen könne. Ob das die Pet-Österreicherin im Sortiment hat? Und
ob es, auf Stufe 1 und „permanent“ gestellt, auch am Meister wirkt, mit einem
wohligen Rieseln vom Hals her abwärts?
Einmal gönnte ich es mir, in den Ausgang zu gehen. Schönste
Hose anziehen, beste Jacke montieren, Schuhe geputzt, Deo unter die Achseln,
Hund an langem Seil an einen Baum binden, „Tschüss und brav warten“. Und was
ist das erste, was ich downtown bemerke? Dass ich in der Jackentasche
Hundebiscuits mitführe. Gegen deren strengen Geruch ist jedes Deodorant
machtlos. Wenigstens habe ich das Glück, eine Taverne zu finden, in der nur
Griechen sitzen und sich zur Feier des Fastenbeginns prall gefüllte karnivore
Platten auftragen lassen. Dazu spielen drei Typen, zwar etwas andächtig auf den
Stühlen sitzend, kretische Musik. Mit Leier und Laute, mit Suzuki und Buzuki.
Beim Gesang, wenn man den Inhalt nicht versteht, kann es sich um ein
Lamentieren über eine verlorene Liebe oder um den Aufruf zum Widerstand
handeln.
Ausser den Pets gibt`s die Pats, die Ex-Pats genauer.
Permanente und auch halbpermanente. Man unterscheidet zwischen Männern allein,
Frauen allein und Gepaarten. Die Gepaarten sind nett, die Männer sind
Alkoholphilosophen und/oder zeigen, was sie drauf haben, und die Frauen sind
persönlich und offen. Interessant, isn`t it? Ausnahmen der Regel sind erlaubt,
aber meine Statistik spricht eine klare Sprache. Ich nix Womanizer, nix
Frauen-Enteiser, einfach die Statistik. Was fange ich an mit dem netten Pärchen
(er älter, ehemaliger Direktor, sie ziemlich sehr jünger), das sich an Kreta und
an ihrer teuren Protzhütte erfreut und sagt, sie möchten hier „den Griechen“
kennenlernen? Was mit dem 2x-im-Tag-Jogger, der erklärt, wie easy er von hier
aus am Compi sein Geschäft betreiben könne? Was mit dem Franzosen, der fragt,
ob er mir eine persönliche Frage stellen könne, und heraus kommt ein
unverständliches Raki-Lallen? (Zur Belohnung kriege ich ein Shake-hands, obwohl
ich nur geantwortet habe, dass ich ihn besser verstehe, wenn er nicht Englisch
spreche.) Was mit dem Deutschen, nach dessen kurzer und prägnanter Schilderung
seine Ex jetzt alles Geld und er nur noch den kleinen Camper habe, dazu ein
verbittertes „Jetzt habe ich meine Freiheit“, Punkt? (Ja, Männer-Enteiser, das
wäre eine Mission.)
Die paar Frauen, die ich bisher getroffen habe (fast alle
aus CHanien), sind anders. Sie erzählen wirklich etwas, auch weniger Schönes,
auch Selbstkritisches, weder Lamentieren, noch Gschpürsch-mi, und ihre Fragen
sind nicht aufgeblasene Raki-Luft. Menschenwürdig.
Anmerkung des Autors: Die obgenannten Feststellungen
entsprechen den gemachten Erfahrungen der letzten paar Wochen. Ich möchte dabei
keine dumme Gans versehentlich mitloben und auch keinem gutartigen Gänserich
die Federn rupfen. Ich bin auch nur ein Hund. Und jetzt mussi Gassi gehen.