„KOM doch auch!“
"Hallo, ich heisse Simon, und ich bin
der Geistschreiber. Ich stelle mich kurz vor: Ich wohne in Bern und bin schon
bald 37 Jahre alt. Als ich etwa 3 Monate alt war, habe ich mich auf einem Peace
and Love-Festival den Rücken hinauf bis zum Hals derart vollgeschissen, dass
mich mein Vater verlassen hat. Erst viele Jahre später hat er sich wieder
blicken lassen, als er in der Zeitung gelesen hat, dass ich Mountainbike-Downhill-Schweizermeister
geworden bin. Das ist lange her. Inzwischen fahre ich noch zum Vergnügen, auch
Strassenrennrad (fast wie Cancellara) und kann Englisch (besser als
Cancellara). KOM doch auch, hat mir mein pengsionierter Vater gesagt, KOM doch
auch nach Kreta. Also setzte ich mich mit dem Rennvelo ins Flugzeug und wurde
in Iraklion abgeholt. 10 Tage Velofahren in Kreta! Meine Freundin Theresa, die
soeben den Master in irgendetwas gemacht hat, nahm ich grad auch mit.
Am ersten Tag habe ich das Rennrad zusammengesetzt und ein
paar Bergdörfer besucht, während Theresa Grameno, den neuen Begleiter meines
Vaters, kennenlernen durfte. Ich habe auf den Bergstrassen ein paar weitere Hunde
kennenlernen dürfen. Am Abend gab es ein gutes Nachtessen in einer entlegenen
Taverne, die aus einem umfunktionierten Wohnwagen und einem grossen
Plastikverschlag bestand. Die Männer dort waren sehr freundlich, obwohl sie
nicht besonders schön angezogen und gekämmt waren. Ich weiss jetzt, was
Souvlaki sind. Und noch besser weiss ich jetzt, was Raki ist.
Anschliessend sind wir nach Zaros gezogen, wo es ein kleines
Seeli hat. Ich fuhr alles (über 100km) mit dem Velo und kam dort 1 Minute vor
dem Wohnwagen an. Zur Belohnung durfte ich wieder in einer Taverne essen. Und
auch wieder Raki trinken. Von hier aus habe ich dann auch Velotouren gemacht.
In die Berge und ans Meer, über Asphalt und Naturstrassen, und wieder an ein
paar Hunden vorbei. Einmal (das war, als wir schon weiter an die KOMos Beach
bei Matala gezügelt waren) erhielt ich unterwegs Besuch von Theresa, Christoph
und Grameno. Zum Glück ist mir das Schaltkabel auf dieser Tour gerissen. Sie
haben mich nämlich später eingeholt und mich die schlimmste Bergstrecke
hinaufgezogen. Unterwegs haben wir übrigens noch ein bisschen Weisswein
getrunken. Auf der Abfahrt habe ich sie dann wieder abgehängt.
Unsere letzte Station war Kato Zakros, ganz im Osten. Hier
hatten wir ein kleines Büchtli ganz für uns. Es gab eine kleine Taverne, die
geöffnet hatte. Manchmal haben Theresa und Christoph im Wohnwagen gekocht, nachdem
sie tolle Wanderungen durch Schluchten und zu Höhlen unternommen hatten, aber
in den Tavernen gab es immer Fleisch, und den Raki kriegt man oft geschenkt.
Von hier aus habe ich auch zwei grosse Touren gemacht, zu
denen ich wie zu allen andern nicht vor Mittag gestartet bin. Mein Bordcomputer
meldet jeweils der ganzen Welt, welchen Aufstieg ich in welcher Zeit geschafft
habe und wo ich die mitgeführte Banane gegessen habe. In dieser Gegend gibt es
einen 10km langen Aufstieg, wo sich die Strasse in endlosen Schlaufen vom Meer
her hinaufwindet. Das schafft jeder Velofahrer, wenn er ein bisschen Saft in
den Beinen hat und vorher die Fitnessriegel und das Wasserfläschli abwirft.
Beim Aufwärts-Tempo ist es auch nicht besonders schwierig, den Geissen und dem
Schafsdreck auf der Fahrbahn auszuweichen. Man kann diesen Streckenabschnitt aber
auch von oben nach unten zurücklegen und immer vorsichtig bremsen und
dazwischen anhalten, um ein Föteli von der faszinierenden Steinlandschaft
knipsen. In einem Raser-Forum habe ich gesehen, dass es eine Rangliste der
Ewig-Schnellsten gibt, die weniger bremsen und die Landschaft weniger
geniessen. Ein gewisser „Superman-Superman“ führt sie mit 12min 36sec an und
darf sich KOM nennen: King of Mountain. Um es kurz zu machen: Er ist es nicht
mehr. Meine Freundin und mein Vater haben am Abend bei reichlich Mixed Grill
und Pommes essen und Weisswein und Raki trinken gesagt, sie seien froh, dass
sie auch diesen Abend mit mir zusammen verbringen dürfen. Ich war auch froh,
denn im weit entlegenen, personalgekürzten Spital hätte es wohl nur weiches
Kartoffel- und Rüeblimus mit stillem Mineralwasser gegeben. Es war ein
unvergesslicher letzter Abend. Meine Theresa hatte ihre Lippen rot geschminkt,
und Grameno hat alle Knochen aufgegessen. Nur Superman-Superman hat seinen
Eintragungen nach zu schliessen keinen ruhigen Schlaf gefunden.
Nun zeige ich euch noch einige Photos, die ich gemacht habe:“
Die Redaktion betont, dass alle Namen in obigem Text nicht
geändert wurden.
Weiter möchte sich die Redaktion mit diesem Gastbeitrag
verabschieden. In drei Tagen hebt die Fähre ab, und am 1. April wird Grameno
Schweizer sein, lernen, was ein Trottoir ist und nur noch in Robbydog-Säcklein
scheissen. (Bitte reagiert besonnen und nachsichtig, falls ihr seinen Meister
mal mit einem gefüllten Säckli in der Jackentasche antreffen solltet.)












