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Sonntag, 18. März 2018

The ghostwriter (Ende von 2018)












„KOM doch auch!“




"Hallo, ich heisse Simon, und ich bin der Geistschreiber. Ich stelle mich kurz vor: Ich wohne in Bern und bin schon bald 37 Jahre alt. Als ich etwa 3 Monate alt war, habe ich mich auf einem Peace and Love-Festival den Rücken hinauf bis zum Hals derart vollgeschissen, dass mich mein Vater verlassen hat. Erst viele Jahre später hat er sich wieder blicken lassen, als er in der Zeitung gelesen hat, dass ich Mountainbike-Downhill-Schweizermeister geworden bin. Das ist lange her. Inzwischen fahre ich noch zum Vergnügen, auch Strassenrennrad (fast wie Cancellara) und kann Englisch (besser als Cancellara). KOM doch auch, hat mir mein pengsionierter Vater gesagt, KOM doch auch nach Kreta. Also setzte ich mich mit dem Rennvelo ins Flugzeug und wurde in Iraklion abgeholt. 10 Tage Velofahren in Kreta! Meine Freundin Theresa, die soeben den Master in irgendetwas gemacht hat, nahm ich grad auch mit.
Am ersten Tag habe ich das Rennrad zusammengesetzt und ein paar Bergdörfer besucht, während Theresa Grameno, den neuen Begleiter meines Vaters, kennenlernen durfte. Ich habe auf den Bergstrassen ein paar weitere Hunde kennenlernen dürfen. Am Abend gab es ein gutes Nachtessen in einer entlegenen Taverne, die aus einem umfunktionierten Wohnwagen und einem grossen Plastikverschlag bestand. Die Männer dort waren sehr freundlich, obwohl sie nicht besonders schön angezogen und gekämmt waren. Ich weiss jetzt, was Souvlaki sind. Und noch besser weiss ich jetzt, was Raki ist.
Anschliessend sind wir nach Zaros gezogen, wo es ein kleines Seeli hat. Ich fuhr alles (über 100km) mit dem Velo und kam dort 1 Minute vor dem Wohnwagen an. Zur Belohnung durfte ich wieder in einer Taverne essen. Und auch wieder Raki trinken. Von hier aus habe ich dann auch Velotouren gemacht. In die Berge und ans Meer, über Asphalt und Naturstrassen, und wieder an ein paar Hunden vorbei. Einmal (das war, als wir schon weiter an die KOMos Beach bei Matala gezügelt waren) erhielt ich unterwegs Besuch von Theresa, Christoph und Grameno. Zum Glück ist mir das Schaltkabel auf dieser Tour gerissen. Sie haben mich nämlich später eingeholt und mich die schlimmste Bergstrecke hinaufgezogen. Unterwegs haben wir übrigens noch ein bisschen Weisswein getrunken. Auf der Abfahrt habe ich sie dann wieder abgehängt.
Unsere letzte Station war Kato Zakros, ganz im Osten. Hier hatten wir ein kleines Büchtli ganz für uns. Es gab eine kleine Taverne, die geöffnet hatte. Manchmal haben Theresa und Christoph im Wohnwagen gekocht, nachdem sie tolle Wanderungen durch Schluchten und zu Höhlen unternommen hatten, aber in den Tavernen gab es immer Fleisch, und den Raki kriegt man oft geschenkt.
Von hier aus habe ich auch zwei grosse Touren gemacht, zu denen ich wie zu allen andern nicht vor Mittag gestartet bin. Mein Bordcomputer meldet jeweils der ganzen Welt, welchen Aufstieg ich in welcher Zeit geschafft habe und wo ich die mitgeführte Banane gegessen habe. In dieser Gegend gibt es einen 10km langen Aufstieg, wo sich die Strasse in endlosen Schlaufen vom Meer her hinaufwindet. Das schafft jeder Velofahrer, wenn er ein bisschen Saft in den Beinen hat und vorher die Fitnessriegel und das Wasserfläschli abwirft. Beim Aufwärts-Tempo ist es auch nicht besonders schwierig, den Geissen und dem Schafsdreck auf der Fahrbahn auszuweichen. Man kann diesen Streckenabschnitt aber auch von oben nach unten zurücklegen und immer vorsichtig bremsen und dazwischen anhalten, um ein Föteli von der faszinierenden Steinlandschaft knipsen. In einem Raser-Forum habe ich gesehen, dass es eine Rangliste der Ewig-Schnellsten gibt, die weniger bremsen und die Landschaft weniger geniessen. Ein gewisser „Superman-Superman“ führt sie mit 12min 36sec an und darf sich KOM nennen: King of Mountain. Um es kurz zu machen: Er ist es nicht mehr. Meine Freundin und mein Vater haben am Abend bei reichlich Mixed Grill und Pommes essen und Weisswein und Raki trinken gesagt, sie seien froh, dass sie auch diesen Abend mit mir zusammen verbringen dürfen. Ich war auch froh, denn im weit entlegenen, personalgekürzten Spital hätte es wohl nur weiches Kartoffel- und Rüeblimus mit stillem Mineralwasser gegeben. Es war ein unvergesslicher letzter Abend. Meine Theresa hatte ihre Lippen rot geschminkt, und Grameno hat alle Knochen aufgegessen. Nur Superman-Superman hat seinen Eintragungen nach zu schliessen keinen ruhigen Schlaf gefunden.
Nun zeige ich euch noch einige Photos, die ich gemacht habe:“











Die Redaktion betont, dass alle Namen in obigem Text nicht geändert wurden.
Weiter möchte sich die Redaktion mit diesem Gastbeitrag verabschieden. In drei Tagen hebt die Fähre ab, und am 1. April wird Grameno Schweizer sein, lernen, was ein Trottoir ist und nur noch in Robbydog-Säcklein scheissen. (Bitte reagiert besonnen und nachsichtig, falls ihr seinen Meister mal mit einem gefüllten Säckli in der Jackentasche antreffen solltet.)