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Montag, 5. März 2018

Wild und frei - Teil zwei










Wie hingeworfen . . .



so wirkt die Landschaft oftmals. Hingeworfen wie die Touristen-Resorts an der Nordküste. Aber vor langer Zeit hingeworfen. Wie der Anfang der Welt kommen einem gewisse Gegenden vor. Die Berge sind hingeworfene Felsbrocken, die aufeinander liegen und nur daher an ihrer Stelle bleiben, weil sie zu schwer sind um sich zu lösen und herunterzufallen. Um sie herum liegen unförmige, kantige Steine, die wie scharfe Zähne die Wurzeln der Bäume festhalten. Was war zuerst, die Steine oder die Bäume? Sie klammern sich seit ewiger Zeit aneinander und haben niemals etwas anderes getan. Das wissen die Ziegen auf ihrer Suche nach den Blättern und Kräutern, und das wissen die Bienen, wenn sie geduldig ihren Honig aus der kargen Steinlandschaft saugen.
Kato Simi heisst das Bergdorf, in welchem aus Brunnen kaltes Bergwasser sprudelt. Von dort aus geht es weiter aufwärts, bald auf einer Strasse, die sich, nicht mehr für jedes Auto befahrbar, in die Höhe schlängelt. Mal liegt ein Teil eines Baumes im Weg, mal ist ein Stück der Strassenkante weggebrochen, mal sind die Stämme der Bäume verkohlt von einem vergangenen Waldbrand. Die dumm-philosophische Frage nach dem Weg und dem Ziel stellt sich: Denn der Weg kann ja nicht das Ziel sein, sondern er muss zu einem Ziel führen. Wer täglich mit Tausenden zusammen über Strassen und Umfahrungsstrassen zu seinem Büro oder seiner Fabrik fährt und am Abend wieder zurück zum heimischen Fernseher, wird den Weg bestimmt nicht als das Ziel erleben. Und hier holpere ich Kurve für Kurve dem unbekannten Ziel entgegen, auch wenn dieses vielleicht nur das Ende des Weges sein wird.
Dann der Flash (engl. für „freudige Überraschung, überwältigende Erscheinung“) – eine Hochebene öffnet sich. Sie liegt da, als sei es ihre einzige Bestimmung, seit immer und für immer einfach dazuliegen. Sie ist das Produkt der sie umgebenden Berge, ohne dies zu wissen. Dieses Gebiet könnte der Anfang von etwas gewesen sein. Der Anfang wovon? Jedenfalls der Anfang, in dem es die Frage nach Weg und Ziel noch nicht gegeben hat. Wild ohne Wege und frei ohne Ziele.