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Freitag, 2. Juli 2021

Nach EL910 V1144

 


 

 

 

 

 

Möchten Sie hier wohnen?

 

Von der andern Seite sieht es schon besser aus:

Das Interieur:

 
 
Die „facilities“ dahinter im Felsen:
 

Ob das Grundstück käuflich ist, weiss ich nicht. Ich vermute aber, dass es dies aus zwei Gründen nicht ist. Erstens, weil der Hauseigentümer gar nicht Eigentümer ist. Er hat an diesem Platz, hinten in einem kleinen fruchtbaren Tal, einfach zu bauen und werkeln begonnen. Nach seinem Gusto und nach seinen finanziellen Möglichkeiten. In Kreta (Teil der hoch reglementierten Europäischen Union!) ist dies möglich. Es kümmert die Behörden nicht, und vor allem kümmert es die Kreter nicht. Man spielt hier nicht Polizist. Man kann sich Orangen und Zitronen von den Bäumen pflücken – es hat ja genug für alle. Und zweitens will Gurutis so wohnen und leben. Er ist der umtriebige Macher. Gemüse pflanzen, Oliven verarbeiten, Tiere halten, auch ausgesetzte Hunde retten oder, wie kürzlich, an einer Quelle eine esoterisch angehauchte Ausländerin zur Kreterin umtaufen. Seit der wirtschaftlichen Corona-Flaute findet bei ihm jeden Sonntag ein Treffen statt, an dem man die Produkte wenigstens unter sich verkaufen oder tauschen kann. Kochen am Feuer und Raki trinken inklusive.



 

Auf „meinem“ Grundstück läuft wenig, seit die Oliveros mit ihrer Arbeit fertig sind. So ist das Glücklich-Sein inzwischen zu meiner Hauptaufgabe geworden, der ich ziemlich gewachsen bin. Daneben putzen, waschen, kochen, Strom erzeugen, mit dem Hund reden, lesen (wenig) und denken (auch wenig). Kulturell: Manchmal kann ich mit dem Handy ein Fussballspiel empfangen – Liverpool, Bayern München oder gar St.Gallen. …isn`t it?

Um nicht gänzlich der Selbstgefälligkeit zu verfallen, bin ich am Abklären, ob es möglich wäre, die befreundete Familie aus Armenien, die ihren letzten Glauben an ihr Land verloren hat, nach Kreta zu holen. Arbeitsbewilligung? Visa? Corona-Restriktionen? Der Olivenhügel verleiht die Kraft, daran zu glauben.

Dann, nach 59 Tagen und Nächten, der Aufbruch! Mehr von der Welt sehen wollen! Neues erkunden! Raus aus der Komfortzone! Durst nach neuen Abenteuern! Mehr Risiko eingehen und sich neuen Gefahren stellen! Die Unvorhersehbarkeit des Lebens auf die Spitze treiben! Den Wohnwagen dem kraftvollen Chevrolet anvertrauen, Allradantrieb und Geländeuntersetzung zuschalten und im Schritttempo mit Wasser- und Essensvorrat auf 1300m hinaufschlängeln. (Mit einer Zigarette im Mundwinkel, natürlich.) Funkspruch: „SG 130 204 fährt Zielpunkt EL910 V1144“. Dieser ist 200 Höhenmeter unterhalb einer fantastischen Hochebene gelegen. Die enge Natur- und Geröllstrasse mit ihren steilen Kehren hat`s in sich. Es wartet wilde Natur und Einsamkeit. Der Wind in den Baumkronen, das Summen der Bienen und das Kuckucken des Kuckucks sind die einzigen Töne. Fürs Frohlocken oder allfälliges Jammern gibt es sogar ein Mini-Kirchlein. Alles da – umwerfend! Nur: zu schlechter Empfang für einen Fussballmatch. Eben: Echt abenteuerlich…