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Mittwoch, 25. August 2021

Wie die Kuh nach Kairo kommt

 






Mit dem Schiff natürlich

 

Sieben Tage braucht sie . Moldawien hat mit der Ukraine und mit Rumänien einen schmalen Korridor für einen Hafen am Schwarzen Meer ausgehandelt. Von dort aus nimmt die Kuh das Schiff nach Alexandria.

Ich fahre nach Orhei. Nur aus einem Grund: Hier gibt es eine Fussballmannschaft und am nächsten Tag ein Spiel. Gegen die transnistrische Mannschaft Dinamo-Auto Tiraspol. Schon am Nachmittag spreche ich im Stadion vor. Nur eine ältere Dame ist in einem Büro anwesend, und ich darf mir alles ansehen. Fan-Artikel gibt es nicht. Sie schenkt mir ein Eintrittsticket für das Spiel, dessen Eintritt eh frei ist. Yours sincerely… Die einheimische Mannschaft, der FC Milsami, ist der Tabellenerste. Wohl auch deshalb, weil der Sheriff FC wegen der internationalen Einsätze bisher weniger Spiele absolviert hat. Am Abend 20 Minuten vor Spielbeginn wartet ein Häufchen Interessierter auf die Öffnung des Eingangstores. Ein junger Mann fragt mich, ob man Eintritt bezahlen müsse. Er heisst Artur und hat seit längerer Zeit kein Spiel mehr besucht, denn er lebt seit ein paar Jahren in Barcelona und ist zur Zeit auf Heimatbesuch. Ich lerne ein paar Kollegen von ihm kennen und sehe, dass viele Junge in einem westeuropäischen Land leben und arbeiten.  Ich erfahre, warum man doch nicht ganz „gefangen“ ist in Moldawien: Auf Grund der Geschichte haben alle, die Vorfahren in Rumänien haben, die Möglichkeit den Rumänischen Pass zu beantragen und erlangen so die Gleichstellung mit den EU-Bürgern. 







 

Die Stadt Orhei kommt gepflegt und neuer daher. Da scheint mehr Geld vorhanden zu sein. Modernes vermischt sich hier gut mit Altem, und man verspürt ein südliches Flair und eine gewisse Lebensqualität. Nix Armenhaus. Und immer wieder Begegnungen mit freundlichen Menschen. Ein kleiner Schwatz, ihre Gesichter strahlen.

Hinter meinem „Haus“ hält ein Lieferwagen. Samir steigt aus. Er transportiert Früchte und Gemüse. Er ist Ägypter. Er sei nach Rumänien ausgewandert, dann einige Jahre in der Ukraine gewesen. Hier in Moldawien habe er eine Frau gefunden und sie hätten drei Kinder. Und wie er strahlt! Als Nebengeschäft („Ich bin businessman!“) kauft er „animale domestice“, Kühe zum Beispiel, und exportiert sie übers Meer nach Ägypten. Was für Biographien! Ein Anderer kauert neben seinem Auto und raucht. Er winkt mich heran und deutet auf sein Enkelsöhnchen, das friedlich auf dem Rücksitz schläft. Er zeigt auf einen Wohnblock neben dem Stadion. Dort wohne er. Und er strahlt!    





Am nächsten Tag führt mich Artur nach Orhei Vechi, dem alten Orhei. Dieses gilt (tatsächlich!) als die einzige Sehenswürdigkeit des Landes. Der Fluss Raut schleicht den Kalksteinwänden entlang, es gibt archäologische Ausgrabungen aus alter Zeit und eine Höhlenkirche aus dem Mittelalter. Und es gibt Ausflügler und Souvenirstände. Und ein paar Restaurants, nicht hingeklotzt, sondern in gemütlichem, traditionellem Stil. Well done!