Der Weg hat ein Ziel – immer noch. Daher entscheide ich mich, durch Bulgarien und die Türkei zügig durchzufahren.
Die bulgarische Willkommenstafel ist schlicht und kommt mir vor wie die Buchstabensuppe in der Kindheit:
Der rundliche und gutgelaunte Zöllner begrüsst mich mit einem kecken „Merry Christmas“. – Es sei gefährlich, dieses Bulgarien, heisst es. Für die Übernachtung fahre ich in einen Wald. Ich habe Glück und werde nicht überfallen. Im Strassenverkehr ist vor allem innerorts höchste Aufmerksamkeit gefordert, denn in jedem Ort sind gleich mehrere Schwellen eingebaut, so dass man nur im Schritttempo passieren kann. Auch mit den Fussgängern ist nicht zu spassen. Sie haben Vortritt. Mit Plasikfiguren von Kindern werden die Automobilisten zusätzlich eingeschüchtert. Und: Sogar ein Pinkel-Halt am Rand einer Überlandstrasse ist ein Wagnis (ich komme unentdeckt davon):
Links abzweigen – dann folgt ein bisschen Türkei – 1`400km Schwarzmeerküste.
Der Grenzübertritt erfolgt – das muss erwähnt werden – ohne Stress und fast ohne unnötiges Warten.
Istanbul umfahren ist eine Aufgabe. Unterwegs werde ich von Lastwagenfahrern mit Tee versorgt.
Bis Samsun verläuft die Strecke im Landesinnern. In den Bergen regnet es und ist kalt.
Zwischen Samsun und Trabzon gibt es einen Boxenstopp. Vier neue Reifen. Turkey hat alles und liefert sie in zwei Stunden von Samsun hinterher. Während der Montage rede ich mit den Fischen in der Werkstatt. Nicht über Politik. Das ist nur beschränkt möglich, denn es tönt immer gleich: Wir sind die verkannten Bösen, aber in Wirklichkeit sind alle andern böse. Der Blick durch die Scheibe des Aquariums. Ich mag es nicht weiter ausführen – ein Fall für den Trauma-Psychologen. Aber hilfsbereit und gastfreundlich sind sie! Vier Reifen (günstig), Montage (gratis), Abendessen (als Zugabe) – Hasan Ali sei Dank.
Und das Schwarze Meer? Man sieht es fast nie. Zu eng ist der Küstenstreifen und fast ununterbrochen verbaut. Wie eine Hunderte von Kilometern lange Stadt: Häuser, Industrie, Garagen, Läden, Verkaufsstände und die mehrspurige Strasse, die sich durch alles durchfrisst. Manchmal frisst sie auch einen unvorsichtigen Hund.












