„Kind an Bord“ wäre als Aufkleber unzutreffend. „Hund an Bord“ würde stimmen.
Während der langen Fahrt von Armenien über Georgien und quer durch die Türkei an die Mittelmeerküste denke ich manchmal, ein Aufkleber „Seele an Bord“ würde passen. Denn die Seele fährt mit. 1700 Kilometer. In eine andere Welt und in ein anderes Klima. Von 0 Grad zu 30 Grad. Vom traurigen Armenien über die kargen und kalten Berge der Türkei Richtung südliche Sonne. Bei einer Übernachtung auf einem Stoppelfeld im Niemandsland kommen die Lichter eines Autos heran. Der Fahrer steigt aus und will wissen, was ich hier tue. „Berechtigte Frage“, denke ich. Nach einer Weile kommt er nochmals und will meinen Pass sehen. Absurd, für ihn und für mich. Ich spüre immer die Sicherheit, dass mir niemand mein Häuschen wegnehmen will und dass ich bei Tagesanbruch in meinem warmen Bett erwache. Auch wenn ein kalter Wind um den Wagen pfeift. Am Hang gegenüber in der Einöde sehe ich ein paar Häuser. Von dort aus muss der nächtliche Besucher das Licht des Wohnwagens entdeckt haben. Ich werde nach dem Morgenkaffee weiterziehen – er lebt hier, in der Hitze des Sommers und bei Kälte und Schnee im Winter. Wo die Seelen überall hingeworfen werden… „Für dich haben wir diesen Ort gewählt“. Ich starte den Motor, mache die Heizung an und habe neben mir eine Thermosflasche mit frischem Kaffee. Die nächsten 300 Kilometer durch gleiches Gebiet sind angesagt. Der nächste Übernachtungsplatz wird sich kaum vom letzten unterscheiden. Doch, er war noch garstiger: mit einer Cement-Anlage im Nichts und Containerbaracken für die Arbeiter. Dann wieder stundenlang weiter über Hügel und um Hügel herum, mit Regen und Nebel, kein Verkehr, keine Dörfer. Mal ein Blick auf die Rückbank: Ja, der Hund ist da und döst. Und ich bin da und fahre.
Nach sechs Tagen das Gefühl von „Ziel erreicht“: Eine paradiesische Bucht am Mittelmeer. Und jetzt baumelt sie hier, die besagte Seele, und macht Ferien.





