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Freitag, 3. Dezember 2021

Türkiye çok güzel



 

 

 

 

 Am Mittelmeer

 

Bucht und Business

Fast einen Monat an derselben Bucht – Ich höre die „Was-machst-du-denn-den-ganzen-Tag?“-Frage. – Antwort verweigert.

Die Frage nach Erlebnissen lasse ich zu. Es ist nicht so, dass niemand anderes die Bucht aufsucht. Immer hat es einige tagesausflügelnde Türken da, die die letzten dürren Äste zusammensuchen, um ihr Teelein zu köcheln. Sie schaffen es aber auch mit grünen von den wenigen Bäumen und Sträuchern geholten. Einige kommen auch mal für zwei, drei Tage mit Camper oder Wohnwagen. Dieses Picknicker- und Campierervolk  lässt sich kategorisieren: In die Abfall-Liegenlasser und die Abfall-Zusammennehmer. Beide Gruppen tun dies sehr nachhaltig. Eine andere Unterscheidung ist die zwischen den zuvorderst am Strand auf der tiefen Steinschicht sich Festfahrenden und dann ungläubig nach Hilfe Ausschauenden und denen, die eben ein gewisses Gefühl für ein Auto haben. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass alle sehr freundlich sind – aber dass man nicht von allen zum Tee eingeladen wird und nicht alle ein Schmankerl ihres Gegrillten vorbeibringen… Dann ist mir noch ein grosser Nicht-Unterschied aufgefallen: Bisher haben sich alle nur negativ über ihren Präsidenten geäussert. Das war vor einigen Jahren noch anders. „Wann werden wir diesen Diktator los?“, fragt man sich und glaubt nicht auf seine Ablösung auf demokratischem Weg.    

Die 22-jährige Duygu (bedeutet „Gefühl“) ist ein paar Tage mit ihren Eltern da. Ihr Vater hat bei den Protesten vor ein paar Jahren Tränengas und Schläge abbekommen. Sie studiert etwas in der Türkei Seltenes, nämlich Psychologie. Dafür muss sie immer besser Englisch lernen, denn die erforderlichen Bücher gebe es nicht in türkischer Sprache (scheint nicht auf der Prioritätenliste des Präsidenten zu stehen). Duygus Ziel ist eh Westeuropa.




 

Manchmal ergibt sich aus dem Einkaufengehen und Wasserholen ein erweiterter Ausflug, der tiefere Einblicke in die Kultur ermöglicht. Eine grosse, neue Strasse führt scheinbar ins Nichts, aber eben doch nicht, sondern zu einem imposanten Zementwerk – Zement statt Psychologie…


Es wird viel gearbeitet in der Türkei. Gebaggert, gebaut, gelärmt und gestunken. Eine prosperierende Wirtschaft, hat man den Eindruck. 40km von hier wird auf weiteren Fortschritt gesetzt und ein Atomkraftwerk gebaut, eine türkisch-russische Kooperation.

Jedenfalls hat es mich animiert, selber auch etwas anzupacken. „Business“ zu machen. Mal richtig Geld! Das hinter der Bucht liegende Land war schnell gekauft. Und dank der von Erdi verursachten Währungssituation sehr günstig. Das Büro für den Weiterverkauf der 4 Hektaren habe ich gleich am Rand des Geländes neben der Strasse eingerichtet. Locker und einfach soll es wirken, und vertrauensbildend. „Satilik 4 dönüm“. 500 Meter sind`s vom Büro zum Strand.


Die Bewilligungen, um auf dem Gelände ein Projekt realisieren zu können, sind vorhanden („Izni alinmistir“). Ob Bohrungen nach Öl, ein weiteres Zementwerk oder eine Hotel- und Freizeitanlage – nix Problem. Einen offizielleren Firmensitz mit Adresse braucht es aber schon. Dieser ist in der nächstgelegenen Stadt schon eingerichtet. Mit würdigem Haupteingang (auch vertrauenserweckend), Kantine und Empfangshalle.




 

Es kann losgehen!

 

Nach Alanya

Es ist Zeit, wieder mal zu rollen. Westwärts der Küste entlang nach Alanya. Dort gibt es einige Kilometer landeinwärts einen Stausee. Und zwischen dem Stausee und Alanya gibt es ein Fussballstadion. Das könnte doch was werden.

Entlang dem kleinen Fluss führt die Strasse talaufwärts. Ein Knüller sind die kurz nacheinander sich folgenden Picknick-Anlagen. Man weiss, dass „Piknik“ so etwas wie ein Nationalsport ist in der Türkei. Doch hier scheint das Mekka für Pikniker zu sein. Hunderte passen in jede der etwa sieben Anlagen hinein. Hightech-Massen-Piknik. Tische, Bänke, Terrassen, Häuser, Hütten, Springbrunnen, Bäder, Rutschbahnen – alles auf engem Raum ineinandergeschachtelt. Und niemand ist da. Saison vorbei. Die Bäume sorgen im Sommer für Schatten und Abkühlung, doch Ende November ist es den Leuten zu kalt im Schattenloch. Schön, sich allein in Anlagen zu bewegen, die für Massen gedacht sind. Gewisse Dinge erzielen ihre imposante Wirkung durch die riesige Grösse oder durch die riesige Anzahl. Also reicht mir eine Photo nicht.  














 

Alanya scheint eine moderat explodierte Tourismus-Stadt zu sein. Wenigstens mit November-Augen betrachtet. Jetzt herrscht im Bazar eine fast unheimliche Ruhe. Neue Läden und moderne Bars sind zahlreich vorhanden. Die Leute halten hier nicht viel von Traditionalismus – und zu den Leuten gehören ja auch die jungen Frauen! An einer Wand eines Bazar-Geschäftes stosse ich auf ein Lieblingssujet: aussortierte oder auf den Einsatz wartende Körperteile.

 



 

Und das Fussballstadion? Das Ticket für morgen habe ich in der Tasche. Inklusive die erforderliche persönliche Security-card.